Paradigmenwechsel in der Fotografie - Teil 5 - Das magische Licht 14.01.2019

Paradigmenwechsel in der Fotografie - Teil 5 - Das magische Licht

Interessanter Weise habe ich immer mehr in Licht investiert als in teure Kameras. Objektive müssen zwar eine anständige Qualität haben, aber bei Kameras sind die Qualitätsunterschiede so gering mittlerweile, da macht das zumindest für mich keinen Sinn. Ein gut geleuchtetes Motiv sieht selbst auf der Smartphone Knips genial aus. Bei der Bildgestaltung ist die Lichtsetzung für mich nicht nur das „where the magic happens“, sondern schlichtweg alles. Selbst wenn dein Bildaufbau völliger Mist ist und langweilig ohne Ende – mit dem richtigen Licht zauberst du selbst aus einem Billigkugelschreiber für 10 Cent ein Kunstwerk, das jeder haben will. Ich habe viele Jahre die wirklich übelst billigen Werbeartikel für Kataloge erfolgreich fotografiert – das ist deutlich schwieriger als Designer Objekte in Szene zu setzen. Hier lernst du was Licht ist und wie man damit umgeht.

Neben dem Standbild erstellst Du auch Videofilme. Seit wann und wie bist Du dazu gekommen?
Ich habe an der Johannes-Gutenberg Schule in Stuttgart meine reguläre Ausbildung gemacht: erstes Jahr bedeutet das Schwarzweißfotografie, zweites Jahr dann Farbfotografie und drittes Jahr Video. Zusätzlich habe ich noch ein Jahr Regie an der Schule belegt, praktisch als Bonus on top. Das Thema ruhte lange Zeit nach meiner Ausbildung bis ich 2002 parallel zu meinen Fotokampagnen begann Making Of´s zu drehen und erste Reportagen. Dann kamen zwei, drei Jahre Fernseharbeit für meine TV-Serie „Star for One Day“. Ab 2009 habe ich dann aber meinen Schwerpunkt online gesetzt und seitdem zahllose Beiträge für Breuninger Fashion-TV, IT-Unternehmen und zuletzt für den VfB hier in Stuttgart realisiert. Die Kunden fragten mich immer wieder, ob ich die Making Of´s noch etwas besser drehen kann – so wurden langsam Werbefilme daraus. Werbefilme und Reportagen machen mittlerweile zwei Drittel meiner Arbeit aus.
Was ist für Dich der Unterschied zwischen Stand- und Bewegtbilder?
Die Art zu Denken ist völlig verschieden. Jede einzelne Szene – auch die einfachste Einstellung – besteht aus einer Ausgangssituation, einem Spannungs- oder Handlungsbogen und einem Ende. Leider vergessen das viele junge Kameraleute oft oder wissen es nicht. Sie schwenken dann munter alles ab was ihnen vor die Linse kommt und sind halt recht fleißig mit Gimbel und Drohne am sammeln in der Hoffnung, das irgendwas dabei ist. Entsprechend furchtbar aufwändig ist dann der Schnitt und dürftig das Ergebnis. Beim Filmen musst du immer in Handlungen und Zielen denken. Wo beginnt deine Einstellung, wo endet sie, was bedeutet sie für den Zuschauer, ist es interessant? Bewegt sich dein Motiv oder bewegst du dich oder bewegt ihr euch beide – und warum? Das bewegte Bild ist ein komplexer Gedankengang, der sich völlig vom Foto unterscheidet. Im Foto musst du eine komplette Geschichte in einem einzigen Bild festhalten. Jedes noch so kleine Details hat Bedeutung. So gesehen sind Foto und Film zwei völlig entgegensetzte Denksweisen.

Interview und Nachfragen dazu erscheinen in mehreren Teilen hier bei Facebook und im Newsletter von SCHNITTPUNKT UG.

Bildrechte: Jens Achtert
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