Paradigmenwechsel in der Fotografie - Teil 6 - Ist der Schritt so groß? 14.01.2019

Paradigmenwechsel in der Fotografie - Teil 6 - Ist der Schritt so groß?

Ist der Übergang von der Blitzanlage wirklich so ein großer Schritt für die Fotografie?

Es ist wieder einmal ein Comeback des Dauerlichts. Als ich meine Ausbildung begonnen habe, gab´s eigentlich nur Heißlicht und Vollformat bedeutete damals 18 x 24 cm bei Blende 90 oder 128. Wir haben im Sommer in der Badehose gearbeitet. Erste Blitzanlagen für´s Werbestudio kamen dann von Rollei (!), Musch, Bläsing – Namen die heute keiner mehr kennt oder mit Blitz in Verbindung bringt. Später folgten Bron, Elinchrom, Hensel, Multiblitz und viele andere – aber eher in den kleineren Klassen oder für Portraitstudios. Mit der digitalen Fotografie kam es in den 90-igern zu einem ersten kurzen Comeback, da diese Rückteile die Objekte scannten und dafür enorm viel Dauerlicht nötig war. HMI war hier gefragt, das wirklich gut damals nur von Briese funktionierte. Hensel hatte zeitweise ein Twinlight – hier waren HMI und Blitzlicht in einem Gerät kombiniert. Als die digitalen Kameras endlich ernsthaft mit Blitzlicht funktionierten, verschwand das Dauerlicht meist wieder aus den Studios. Andere große Studios sind durchweg bei Heißlicht und/oder HMI geblieben all die Jahre – vor allem im Bereich Still und Möbelfotografie. Ich denke es ist eher eine Stilfrage und abhängig von der Anwendung oder Aufgabe des Fotografen.

Oder ist es nicht einfach auch eine Befreiung? Große, schwere Geräte werden durch leichte flexible Einheiten ersetzt. Diese sind dann auch noch einfach im Außenbereich einzusetzen. Und haben noch weitere Vorteile wie z.B. BiColour.
Da gibt drei Aspekte, die Hand in Hand gehen: erstes muss heute sehr viel mehr, schneller und günstiger produziert werden. Das ist eine Sache von Nachfrage und Preisgestaltung. Wenn du „old school“ Qualität abliefern willst, musst du echt Kunden dafür begeistern und ihnen die Vorteile klar machen bzw. die Kosten gut begründen. Letzthin war ich Standbildfotograf bei so einem gigantischen Werbedreh. Die Jungs von der großen Filmproduktion haben brav „ihr“ Licht abgebaut, damit ich alles neu ausleuchten musste. Die haben allerdings blöde geschaut als ich das absolut gleiche Licht für meine Fotos in ein paar Minuten fertig hatte statt in der stundenlangen Arbeit, die sie sich mit den alten Scheinwerfern gemacht hatten. Trotzdem ist die Nachfrage so enorm groß, dass du kaum nach kommen wirst mit produzieren. Du musst also Wege finden in sauberer Qualität schneller zu produzieren – egal was und wie viel du für deine Arbeit verlangst. Hilfreich dabei ist zum einen die höhere Empfindlichkeit von Foto- und Filmkameras. Es macht schon wirklich einen großen Unterschied, wenn du statt mit 100 ASA nun mit 800, 1600 oder sogar 5000 und mehr arbeiten kannst bei guter Qualität. Und dann eben das LED-Licht. Die Vorteile von BiColor habe ich schon ausführlich beschrieben. Du musst da nicht mehr mit irgendwelchen Folien hantieren, sondern stellst dir den passenden Wert einfach konstant ein. Ich bin ein Fan von kleinen Kameras – die kann man je nach Bedarf groß ausbauen. Große Kameras kannst du schlecht „klein“ machen. Wenn ich „Herr der Ringe Teil 7“ drehen sollte, werde ich natürlich zur ARRI greifen, aber für alles andere reicht es zwei oder drei Nummern kleiner, wenn´s das Licht stimmt und du deine Kamera sauber einstellst. Es ist nämlich so – und das wird immer so bleiben: es ist die Geschichte, die im Kopf hängen bleibt. Und wenn du diese Geschichte jetzt schneller, effektiver und präziser erzählen kannst, dann ist das großartig.

Lieber Jens Achtert, vielen Dank für dieses tolle Interview indem auch ich noch einiges dazu lernte.
Thomas Nowara
Interview und Nachfragen dazu erscheinen in mehreren Teilen hier bei Facebook und im Newsletter von SCHNITTPUNKT UG.
Bildrechte: Jens Achtert
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